Geschichtsabrisse Ortsteile

Aadorf | Ettenhausen | Tänikon | Wittershausen | Geschichtsabrisse Ortsteile | Anekdoten

1. Politische Gemeinde Aadorf
2. Ehemalige Ortsgemeinden
2.1 Aadorf
2.2 Aawangen
2.3 Ettenhausen
2.4 Guntershausen
2.5 Wittenwil
3. Tänikon (Kloster, Gutswirtschaft, FAT)

1. Politische Gemeinde Aadorf

Zur Politischen Gemeinde Aadorf gehören nebst Aadorf die zehn Dörfer und Weiler Ettenhausen, Iltishausen, Tänikon, Guntershausen, Maischhausen, Wittershausen, Wittenwil, Weiern, Aawangen und Häuslenen. Von den insgesamt 7224 Einwohnern (1999) wohnen allein in Aadorf über 4000 Personen.
Die Gemeinde entsteht auf das Jahr 1996 aus den fünf Ortsgemeinden Aadorf, Aawangen, Ettenhausen, Guntershausen und Wittenwil. Diese Körperschaften besorgten die örtlichen Belange (Bau- und Planungswesen, Werke, Abfallverwertung, Gewässerschutz), während die Munizipale für die vom Bund und Kanton übertragenen Aufgaben zuständig war. Mit dem 1999 eingeweihten Gemeinde- und Kulturzentrum steht für das gesellschaftliche und kulturelle Leben eine moderne, zweckmässige Infrastruktur zur Verfügung.
Den historischen Mittelpunkt des Gemeindegebietes bildet während Jahrhunderten das Frauenkloster Tänikon. Dieses prägt von seiner Gründung 1249 bis zur Aufhebung 1848 das Geschehen der umliegenden Dörfer und Weiler massgeblich. Nach der Reformationszeit (1525–1550) werden Häuslenen-Aawangen und Wittenwil evangelisch. Die "oberen" Ortschaften Ettenhausen und Guntershausen bleiben bzw. werden wieder katholisch, während Aadorf ein paritätisches Dorf mit einer bis 1959 gemeinsamen Kirche ist. Bereits in der frühen Mitte des 19. Jahrhunderts entstehen in Aadorf die ersten frühindustriellen Betriebe (Spinnerei, Rotfarb) an der Lützelmurg. Die übrigen Ortschaften behalten noch bis in die 1950er Jahre den ländlichen Charakter als Bauern- und Kleinhandwerkerdörfer.
Seit 1950 trägt der Zuzug insbesondere aus dem Kanton Zürich zu einer überdurchschnittlichen Zunahme sowie konfessionellen, parteipolitischen und sozialen Vermischung der Bevölkerung bei. Neue Wohnquartiere bedingen den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur: Strassen, Elektrisch, Wasserversorgung, Gewässerschutz, Abfallverwertung usw. Seit 1973 ist die regionale Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Aadorf in Betrieb. 1977 nimmt das gemeindeeigene Alters- und Pflegeheim Aadorf (AAHEIM) den Betrieb auf, das 1986 um eine Alterssiedlung ergänzt wird. Enorme Mittel bringen der Kanton und die Gemeinden für den Ausbau des Schulwesens auf. Für die Volksschule sind die fünf Primarschulgemeinden Aadorf, Häuslenen-Aawangen, Ettenhausen, Guntershausen und Wittenwil sowie die mit der Politischen Gemeinde deckungsgleiche Oberstufengemeinde Aadorf zuständig. Aufgrund der öffentlichen und privaten Initiative entwickelte sich Aadorf zur siebtgrössten Thurgauer Gemeinde und zum Regionalzentrum mit Einrichtungen wie zum Beispiel Oberstufenzentrum, Hallen- und Freibad, Einkaufszentren und Dienstleistungsbetrieben, 2500 Arbeitsplätzen sowie einem vielseitigen Kulturangebot und Vereinsleben.
Gemeindewappen: Die Politische Gemeinde Aadorf verwendet die Wappen der früheren fünf Ortsgemeinden.

2. Ehemalige Ortsgemeinden

2.1 Aadorf

Der historische Kern der Ortschaft liegt auf dem Wall einer vom Rheingletscher gebildeten Stirnmoräne. Funde aus der Bronzezeit und ein frühmittelalterliches Gräberfeld lassen auf weit zurückliegende Besiedlung schliessen.
Aadorf wird urkundlich erstmals 886 als "Ahadorf" erwähnt und bedeutet "Siedlung am Wasser". Es gehört damals den oberschwäbischen Grafen von Linzgau, die es im 10. Jahrhundert an das Kloster St. Gallen verlieren. Im Jahre 1413 verkauft St. Gallen das Dorf an das Kloster Tänikon, bei dem es bis 1798 verbleibt; Offnung (Dorfrecht) von 1469. Als 1424 die Grafschaft Kyburg an Zürich kommt, wird die Lützelmurg thurgauisch-zürcherischer Grenzfluss. Eine letzte Auseinandersetzung um die Schul- und Kirchenzugehörigkeit des Aadorfer Feldes entscheidet der Bundesrat 1869 zu Ungunsten des Thurgaus.
Ein erstes Gotteshaus, die St. Alexanderkirche, besteht bereits vor dem Jahre 886. Die heutige katholische Kirche wird 1865 erbaut. Sie dient bis zum Bau der evangelischen Kirche 1959 paritätisch beiden Konfessionen. Ab 1525 ist Aadorf rein evangelisch, erst 1627 wird der katholische Gottesdienst wieder eingeführt. Fortan besteht über zwei Jahrhunderte ein gespanntes Verhältnis zwischen dem Kloster Tänikon als Gerichtsherrin und dem evangelischen Zürich, dem die Kirchenhoheit über beide Aadorfer Konfessionen bis 1843 zusteht.
Ein verheerendes Brandunglück legt 1827 die Mühle und vierzehn weitere Häuser längs der Hauptstrasse in Asche. Seit 1905 versorgt das gemeindeeigene Elektrizitätswerk das Dorf mit Strom. Als wirtschaftlich schwerer Schlag insbesondere für die Bürgergemeinde als Eigentümerin erweist sich 1910 der Konkurs der Spar- und Leihkasse Aadorf. Im Jahre 1915 wird die Raiffeisenbank gegründet, und 1927 eröffnet die Thurgauer Kantonalbank eine Niederlassung. In der Zeit von 1930 bis 1973 verfügt die Ortschaft mit der "Aadorfer Zeitung" über eine eigenes Organ.
Aadorf profitiert mehrmals von seiner günstigen Verkehrslage. Es liegt an der historischen Überlandstrasse von Winterthur über den Tuttwiler Berg nach Wil. Der Murgübergang am westlichen Dorfeingang und seit 1831 der "Löwen" als Pferdewechsel- und erste Poststation bildet ein wichtiger Etappenort. Entscheidend zur baulichen Entwicklung trägt die 1855 eröffnete Eisenbahnlinie bei, und gut hundert Jahre später (1969) erhält Aadorf bei Wittenwil einen Autobahnanschluss der A1. Die Postautoverbindung Frauenfeld-Aadorf besteht seit 1925. Der Bau der Spinnerei 1827 setzt den Auftakt zur Ansiedlung von sehr zahlreichen Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben bis in die Gegenwart.
Aadorf zählt 1831 erst 450 Einwohner, 1900 bereits 1140, im Jahre 1950 sind es 1825 Personen und jetzt über 4000.

Ortsteilwappen: In Blau ein weisser, schräger Wellenbalken.

2.2 Aawangen

Aawangen, das im Jahre 839 als "Oninwanc" erstmals erwähnt wird, umfasst die Ortschaft Häuslenen sowie die Weiler Burg, Friedtal, Huzenwil und Moos. Es gehört seit 1247 dem Stift Kreuzlingen, dem 1280 auch noch die Kirche St. Michael einverleibt wird. Das jetzige Gotteshaus stammt vermutlich aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, wird 1659 um ein Chor erweitert und seither wiederholt renoviert. Zum evangelischen Glauben tritt Aawangen 1529 über. Seit 1910 amtet der Pfarrer von Aadorf gleichzeitig als Seelsorger in Aawangen, und die evangelische Kirchgemeinde Aawangen wird 1967 mit jener von Aadorf vereinigt. . Beachtenswert in Aawangen sind das 1825 neu erbaute Pfarrhaus, das für Anlässe und Veranstaltungen aller Art gemietet werden kann, und das Spruchhaus von 1755 mit neun über die Mauerflächen verteilten Sprüchen religiös-moralischen Charakters.
Häuslenen entwickelt sich erst im 18. Jahrhundert um die an der Landstrasse nach Frauenfeld gelegene Wirtschaft "Häusli" zu einer Siedlung. Im Holztürmchen auf dem Dach des alten Schulhauses, das jetzt als Kindergarten dient, hängt eine vorreformatorische Glocke der Kirche Aawangen.
Der Dorfteil Burg, am Hügel gegen Hagenbuch zu, entsteht als zur einstigen Feste Hagenbuch gehörende Häusergruppe. Die alte Hochwacht bildet seit 1427 einen markanten Grenzpunkt zwischen den Grafschaften Kyburg und Thurgau.
1340–1522 untersteht Aawangen den Herren von Hohenlandenberg, seither wieder dem Kloster Kreuzlingen, bis 1704 die Gerichtsbarkeit an die Familie Rüepplin kommt.
In den Jahren 1628–1635 grassieren die rote Ruhr, die Pocken und die Pest in der Gegend. 1804 trennt sich Aawangen schulisch von Hagenbuch und gründet eine eigene Schule. Schulort seit 1827 ist und bleibt indes Häuslenen. 1971 wird die Primarschulgemeinde Aawangen dem Oberstufenkreis Halingen angeschlossen. Damit die Politische Gemeinde Aadorf auch schulisch eine Einheit bildet, wurde Häuslenen-Aawangen inzwischen zur Oberstufengemeinde Aadorf umgeteilt, nachdem die Primarschulgemeinde an der Strasse nach Huzenwil 1988 ein neues Schulhaus beziehen konnte.
1918 erhält Häuslenen eine Poststelle. In den Jahren 1943-1948 führt Aawangen-Häuslenen die Güterzusammenlegung durch; damals entsteht das gegenwärtige Flurstrassennetz. Zwei Jahrzehnte später teilt die Autobahn A1 das Gemeindegebiet in zwei Teile. Während Aawangen ein stilles Dörfchen bleibt, erlebt Häuslenen in den 1970er und 1980er Jahren einen Bauboom. Um die Dorfkultur (Bundesfeier usw.) kümmert sich der Dorfverein Aawangen-Häuslenen.
Die Einwohnerzahl bleibt bis 1970 bei 220 und steigt infolge des Baubooms in Häuslenen bis 1995 auf rund 500 Personen an.

Ortsteilwappen: In Schwarz ein gelber Krummstab.

2.3 Ettenhausen

Ettenhausen bildete mit 330 Hektaren, wovon ein Drittel Wald, in der Munizipalgemeinde Aadorf die kleinste Ortsgemeinde. Das Dorf am Südfuss der Brandfohren wird urkundlich im Jahre 1278 als "Oetenhusen" erstmals erwähnt. Als älteste Gerichtsgemeinde (seit 1320) hängt Ettenhausen rechtlich und wirtschaftlich vom Kloster Tänikon ab, mit dem es recht oft und hemdärmlig im Streit liegt. Umstritten sind insbesondere die Holznutzung und die Weiderechte. Die gegenseitigen Rechte und Pflichten zwischen Dorf und Kloster sind in der Offnung, dem Dorfrecht von 1512, geregelt.
Ettenhausen ist bis um 1900 die Hinterthurgauer Gemeinde mit der grössten zusammenhängenden Rebfläche. Das Rebhandwerk bestimmt während Jahrhunderten das Leben der Bauern- und Kleingewerbegemeinde. Die letzten Reben verschwinden 1916; erst 1975 nimmt der Männerchor "Eintracht" mit der Bepflanzung einer 25 Aren grossen Fläche mit 934 Müller-Thurgau-Rebsetzlingen die frühere Weinbautradition wieder auf.
Kirchlich gehört Ettenhausen wie Guntershausen-Maischhausen ursprünglich zu Elgg. Seit der Reformation (1525–1550) dient die Tänikoner Klosterkirche zugleich als Pfarrkirche für die katholische Bevölkerung der Umgebung. Schulisch trennt sich Ettenhausen 1827 von der mit Guntershausen gemeinsamen Schule in Tänikon und bildet seither eine eigene Primarschulgemeinde. Die Schulanlage im Weidli wird 1969 eingeweiht und 1989 wesentlich erweitert.
Der Weiler Iltishausen wird urkundlich im Jahre 1253 als "Hiltishusen" und damit gar früher als Ettenhausen erwähnt. Der Oberhof und Unterhof – dieser wird um 1802 in zwei Höfe aufgeteilt – sind Lehen des Klosters Tänikon. Der Weiler führt in verschiedener Hinsicht ein Eigenleben. Die vier von Balterswil stammenden Familien Schwager erhalten indes erst 1866 durch Entscheid des Thurgauer Regierungsrates die gleichen Rechte wie die Ettenhauser Bürger. Bis 1922 ist der Tobelbach wahlweise nach Elgg in die Eulach oder nach Ettenhausen in die Lützelmurg ableitbar.
Ein eigenes Postbüro erhält Ettenhausen 1887 (Aadorf 1831, Elgg 1836). Die Einführung der Elektrizität 1912 erfolgt auf genossenschaftlicher Basis. Die Güterzusammenlegung in den Jahren 1951–1959 verändert die Landschaft markant: Grössere Parzellen, Neuanlage des Flurstrassennetzes und weitgehendes Verschwinden der hochstämmigen Obstbäume.
Bemerkenswert in Ettenhausen war und ist ein reges Vereinsleben. Das Dorf zählt acht Sport- und zwei musikalische Vereine, worunter seit 1901 die Bürgermusik. Der Einwohnerverein koordiniert die Aktivitäten der Vereine und organisiert unter anderem die Bundesfeier. Das Dorf erlebt seit den 1950er Jahren eine sehr starke Bautätigkeit; die Bevölkerung nimmt von 1950 bis zum Jahre 1995 von 400 auf 1040 Einwohner zu

Ortsteilwappen: In Weiss eine blaue Lilie.

2.4 Guntershausen

Das weitläufige Guntershausen war mit 522 Hektaren die grösste Ortsgemeinde in der Munizipale Aadorf. Neben Tänikon, das schon im Jahr 789 urkundlich als Gerichtsstätte bezeichnet wird, sind Wittershausen (894 erwähnt) und Maischhausen (912) die ältesten zu Guntershausen gehörenden Siedlungen. "Gundoltshusen" erscheint erst im Jahre 1282 in einer Urkunde. Das Kloster Tänikon erwirbt nach und nach Erblehenhöfe und Rechte, allerdings vereinigt Tänikon erst 1668 den gesamten Zehnten von Guntershausen und Maischhausen in seiner Hand. Guntershausen bildet seit 1509 zusammen mit Maischhausen, Ettenhausen und Iltishausen bis zur Umwälzung 1798 den oberen Teil des Gerichtes Tänikon. Als der Kanton Thurgau 1848 das Kloster Tänikon aufhebt, befürchtet Guntershausen wie andere umliegende Gemeinden ein massives Ansteigen der Armenlasten.
Um 1900 spielt nebst der Landwirtschaft die Heimindustrie eine grosse Rolle. Mit deren Verschwinden und der Schliessung der Tonwarenfabrik in Tänikon im Ersten Weltkrieg sind die Guntershauser gezwungen, ihren Erwerb in auswärtigen Industrie- und Gewerbebetrieben zu suchen, vor allem in Aadorf und Winterthur.
Guntershausen hat bis 1827 eine mit Ettenhausen gemeinsame Schule in Tänikon. Nachdem sich je ein kleines Schullokal in Guntershausen und Maischhausen als unzweckmässig erweisen, erbaut die Schulgemeinde 1908 am damaligen Dorfrand gegen Tänikon ein neues stattliches Schulgebäude, das mehr als ein halbes Jahrhundert ohne wesentliche Um- und Anbauten auskommt.
Entscheidend zur Entwicklung tragen die 1862 angelegte Hauptstrasse Aadorf-Guntershausen- Maischhausen und die 1928 eröffnete Bahn-Haltestelle bei. Seit den 1970er Jahren werden zwischen Guntershausen und Maischhausen nach und nach Gewerbe- und Wohnbauten erstellt, sodass die einst räumlich getrennten Ortschaften nunmehr ein Strassendorf bilden.
Wittershausen, an der einstigen Überlandstrasse von Aadorf nach Tuttwil gelegen, ist kirchlich, schulisch und wirtschaftlich während Jahrhunderten nach Aadorf ausgerichtet. Der sehr alte Weiler gehört zwar bis 1798 zum klösterlichen Gerichtsbezirk Tänikon, ist aber ähnlich wie Iltishausen bis um 1812 keiner Gemeinde angeschlossen.
Eine Guntershauser Besonderheit sind die zwei Bürgergemeinden. Die Dorfbürgerkorporation ist auf die Ortschaft Guntershausen beschränkt und verfügt über das Dorfgemeindegut auf dem Schulberg im Umfang von etwa 10 Hektaren Land. Die eigentliche Bürgergemeinde umfasst alle in der ehemaligen Ortsgemeinde Guntershausen wohnhaften Ortsbürgerinnen und Ortsbürger und zählt etwa doppelt so viele Stimmberechtigte wie die Dorfbürgerkorporation.
Guntershausen zählte 1995 total 1215 Einwohner; 1960 waren es erst 656 gewesen.
Anlässe für die Bevölkerung (Bundesfeier usw.) führt die Dorfgemeinschaft durch.
Ortsteilwappen: In Rot eine weisse Lilie.

2.5 Wittenwil

Wittenwil erscheint 1282 als "Witenwile" (Weiler des Wito) in den Urkunden. Damit taucht nebst dem Dorfnamen jenes Geschlecht auf, das die Vogtei Wittenwil im Namen der Grafen von Toggenburg verwaltet und deren Ammänner sich Herren von Wittenwil nennen. Der berühmteste Vertreter dieses Geschlechtes ist Heinrich Wittenwiler in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Dieser geht mit dem derb-komischen Bauernepos "Der Ring" über den Zerfall des Rittertums in die Literaturgeschichte ein. Spätere Nachfahren der Wittenwiler nennen sich nach dem Amt der Stammväter Ammann. Dieses Geschlecht ist noch jetzt im Dorf Wittenwil stark verbreitet.
Als die Toggenburger 1376 das Schloss Spiegelberg kaufen, vereinigen sie diese Herrschaft mit Wittenwil. Im Jahre 1620 kommt Wittenwil an die Familie Harder. Diese baut das Schloss 1656 nach einer Feuersbrunst neu auf und stattet es mit einer katholischen Kapelle aus. Die letzten Gerichtsherren im 18. Jahrhundert sind die Freiherren von Rüepplin aus Frauenfeld und nachher die Zürcher Familie Schulthess. Seit vielen Jahrzehnten enthält das Schloss zwei grosse Wohnungen, und die Kapelle dient als Schmiede.
Wittenwil besteht seit altersher aus grösseren und kleineren Weilern mit rechtlichem Eigenleben. Erst 1812 verfügt der Grosse Rat den Anschluss von Weiern (912 "Wihare"), Heiterschen (1263 "Heitershoven"), Aeuli (Jakobstal), Alp, Hinterberg (Jakobsbad), Tausendlist (Schönengrund), Ackermannshaus (Schlipf), Neuhof und Rotscheuer an Wittenwil und damit die Bildung der Ortsgemeinde. Von diesen Weilern bewahrt vor allem Weiern gegenüber Wittenwil einige Selbständigkeit. So gehört Weiern nicht zum Gericht Wittenwil, sondern untersteht der Hohen Gerichtsbarkeit des Landvogtes. Hauptgeschlecht in Weiern sind die Horber.
Eine Schule ist in Wittenwil seit 1772 bezeugt. Das jetztige alte Schulhaus mit dem Türmchen wird 1860 erbaut. Der geografischen Vielfalt entsprach die unterschiedliche schulische und kirchliche Gebietseinteilung. Bei der Bildung der Politischen Gemeinde Aadorf werden Heiterschen und Jakobstal der Gemeinde Wängi angegliedert; neue Gemeindegrenze ist die 1970 eröffnete Autobahn. Soeben haben die zuständigen Instanzen beschlossen, dass die Wittenwiler Katholiken und Evangelischen den jeweiligen Kirchgemeinden Aadorf zugeteilt werden können.
Der dorfkulturellen Belange nimmt sich der Dorfverein Wittenwil Weiern an, der für Wittenwil und Weiern drei Mal im Jahr die "Wittenwiler Nachrichten" herausgibt.
Wittenwil weist von allen fünf Ortsgemeinden die kleinste Bevölkerungszunahme auf: Von 1960 bis 1995 steigt die Einwohnerzahl von 501 auf 700.

Ortsteilwappen: In Gelb ein schwarzer Steinbock mit roter Zunge.

3. Tänikon (Kloster, Gutswirtschaft, FAT)

Mit dem Jahr 789 ist Tänikon ("Tanninchova") der am frühesten urkundlich erwähnte Ort in der Politischen Gemeinde Aadorf. Es gehört der Abtei St. Gallen, anschliessend den Grafen von Rapperswil und den Herren von Bichelsee.
Spätestens im Jahre 1249 wird das Frauenkloster gegründet. Vor der Reformation um 1520 muss es eine stattliche Anlage gewesen sein. Bauzeugen sind die Kirche, deren Dachstuhl bis 1362 zurückreicht, und das Refental (1508). In den Wirren der Reformation (1525–1550) erlischt das klösterliche Leben praktisch. Das wiedererstandene Kloster erlebt im 17. Jahrhundert eine grosse Blüte, verbunden mit einer regen Bautätigkeit: Prälatenhaus 1616, Äbtissinnenhaus 1678 und Lilienthal 1640. Die prächtigen Glasscheiben im Kreuzgang geben Zeugnis vom Kunstsinn der Äbtissinnen. Bis zur politischen Umwälzung von 1798 üben die Klostervorsteherinnen in Aadorf, Ettenhausen und Guntershausen-Maischhausen die niedere Gerichtsbarkeit aus. Das Rechtsverhältnis zwischen diesen Gerichtsgemeinden und dem Kloster ist in Offnungen, das heisst Dorfrechten, niedergelegt.
Im frühen 19. Jahrhundert sind viele führende Thurgauer der Ansicht, die Klöster seien reich und "jedem gemeinnützigen Wirken fremd geblieben". Nach verschiedenen Massnahmen wie Einsatz staatlicher Klosterverwalter und Bewilligung bzw. Verbot von Novizenaufnahme beschliesst der Thurgauer Grosse Rat 1848 unter anderem die Aufhebung des Zisterzienserinnenklosters Tänikon. Die ausgewiesenen Klosterfrauen vereinigen sich erst 1869 mit den ebenfalls heimatlosen Schwestern der Klöster Kalchrain und Feldbach zum heute noch bestehenden Nachfolgekloster Mariastern-Gwiggen in der Gemeinde Hohenweiler (Vorarlberg).
Nach der Klosteraufhebung gehen die Kirche mit Friedhof, das Pfarrhaus mit Umschwung und Fondsgelder an die Kirchgemeinde Tänikon über. 1850 kauft Nina von Planta von Samaden das Klostergut. Neben der Gutswirtschaft stellt von 1857 bis 1918 eine Tonwarenfabrik Ziegel und Drainageröhren her. Letzte Gutsbesitzerin von 1936 bis zum Verkauf an die Eidgenossenschaft 1968 ist Emma Zuber-Schmid. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik (FAT) nimmt am 1. April 1969 ihre Arbeit auf; Direktoren sind Dr. Paul Faessler (1969–1981) und Prof. Dr. Walter Meier (seit 1981).

Kirche: Das klassizistische Aussehen erhält sie im Wesentlichen beim grundlegenden Umbau 1829–1831. Kirchenpatron ist der heilige Bernhard von Clairvaux (Kirchenfest am 20. August bzw. am darauf folgenden Sonntag). Bemerkenswert ist die frühromantische Orgel aus der Klosterzeit (1835; Restauration 1975).
Das Pfarrhaus errichtet die Kirchgemeinde 1967 anstelle des Altbaus von 1853.

Klosterwappen: In Blau eine weisse Lilie