Von der Munizipal- zur Politischen Gemeinde

Die Politische Gemeinde Aadorf gibt es seit 1996. Vorher lagen die kommunalen Aufgaben bei zwei Körperschaften: Den fünf Ortsgemeinden (Aadorf, Aawangen, Ettenhausen, Guntershausen und Wittenwil) oblag die örtliche Infrastruktur (Hoch- und Tiefbau, Werke, Entsorgung), der Munizipalgemeinde (Aadorf) der Vollzug von Bundes- und Kantonsgesetzgebung.

Aadorf kannte bis 1995 den Gemeindedualismus, indem die Gemeindeaufgaben auf die Munizipal- und auf die Ortsgemeinden verteilt waren. Diese besorgten die örtlichen Belange (Bau- und Planungswesen, Werke, Abfallverwertung, Gewässerschutz), während die Munizipale für die vom Bund und Kanton übertragenen Aufgaben zuständig war.

Den historischen Mittelpunkt des Gemeindegebietes bildet während Jahrhunderten das Frauenkloster Tänikon. Dieses prägt von seiner Gründung 1249 bis zur Aufhebung 1848 das Geschehen der umliegenden Dörfer und Weiler massgeblich. Nach der Reformationszeit (1525-1550) werden Häuslenen-Aawangen und Wittenwil evangelisch. Die „oberen“ Ortschaften Ettenhausen und Guntershausen bleiben bzw. werden wieder katholisch, während Aadorf ein paritätisches Dorf mit einer bis 1959 gemeinsamen Kirche ist. Bereits in der frühen Mitte des 19. Jahrhunderts entstehen in Aadorf die ersten frühindustriellen Betriebe an der Lützelmurg. Die übrigen Ortschaften behalten noch bis in die 1950er Jahre den ländlichen Charakter als Bauern- und Kleinhandwerkerdörfer.

Seit 1950 trägt der Zuzug insbesondere aus dem Kanton Zürich zu einer überdurchschnittlichen Zunahme sowie zur konfessionellen, parteipolitischen und sozialen Vermischung der Bevölkerung bei. Neue Wohnquartiere bedingen den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur: Strassen, Elektrisch, Wasser- und Gasversorgung, Gewässerschutz, Abfallverwertung usw. Seit 1973 ist die regionale Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Aadorf in Betrieb. Enorme Mittel bringen Kanton und Gemeinden für den Ausbau des Schulwesens auf. Aadorf entwickelte sich zur siebtgrössten Thurgauer Gemeinde und zum Regionalzentrum mit Einrichtungen wie zum Beispiel Gemeinde- und Kulturzentrum, Oberstufenzentrum, Mehrfachsporthalle, Hallen- und Freibad, Einkaufszentren und Dienstleistungsbetrieben, über 2700 Arbeitsplätzen sowie einem vielseitigen Kulturangebot und Vereinsleben.

Einen markanten Einschnitt in der politischen Gliederung bedeutete der Zusammenschluss der Munizipalgemeinde und der fünf Ortsgemeinden zur Politischen Gemeinde Aadorf auf das Jahr 1996. Dieser Prozess verlief in einzelnen Ortschaften langwierig, während die späteren Fusionen der Schul- und Bürgergemeinden wie auch der katholischen Kirchgemeinden kaum mehr Diskussionen auslösten. Die letzten zwei Jahrzehnte sind vorab in Aadorf, Ettenhausen und Guntershausen durch eine starke Bautätigkeit geprägt. Einher ging eine Konzentration von Dienstleistungen auf Aadorf, indem in den übrigen Ortschaften Postbüros, örtliche Korporationen und Genossenschaften wie auch Läden aufgehoben wurden.

Gemeindewappen: Die Gemeinde verwendet das Wappen der früheren Ortsgemeinde Aadorf (in Blau ein weisser, schräger Wellenbalken)  

Bevölkerungsentwicklung:

Von 1850 bis 1950 gab es in Aadorf eine starke, in den übrigen Ortsteilen mit Ausnahme von Aawangen-Häuslenen eine stetige Zunahme. Seit den 1950er Jahren stieg die Einwohnerzahl mit Ausnahme von Wittenwil-Weiern überdurchschnittlich:

Jahr

1850

1950

2015

Aadorf

740

1830

4900

Aawangen-Häuslenen

260

240

520

Ettenhausen

320

400

1200

Guntershausen-Maischausen

470

630

1520

Wittenwil-Weiern*)

410

490

430

Ganze Gemeinde

2200

3590

8570

*) 2015 ohne Heiterschen und Jakobstal (ab 1996 zu Wängi)