Aadorf

Aadorf entwickelte sich vor allem dank der günstigen Verkehrslage zum Verwaltungssitz der umliegenden Ortschaften sowie zum vielseitigen geschäftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Regionalzentrum mit zahlreichen Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben.

Der historische Kern der Ortschaft liegt auf dem Wall einer vom Rheingletscher gebildeten Stirnmoräne. Funde aus der Bronzezeit und ein frühmittelalterliches Gräberfeld lassen auf eine weit zurückliegende Besiedlung schliessen.

Das 886 urkundlich erstmals erwähnte Aadorf  gehört damals den oberschwäbischen Grafen von Linzgau, die es im 10. Jahrhundert an das Kloster St. Gallen verlieren. Im Jahre 1413 verkauft St. Gallen das Dorf an das Kloster Tänikon, bei dem es bis 1798 verbleibt; Offnung (Dorfrecht) von 1469. Als 1427 die Grafschaft Kyburg an Zürich kommt, wird die Lützelmurg thurgauisch-zürcherischer Grenzfluss. Eine letzte Auseinandersetzung um die Schul- und Kirchenzugehörigkeit des Aadorfer Feldes entscheidet der Bundesrat 1869 zu Ungunsten des Thurgaus.

Ab 1528 ist Aadorf rein evangelisch, erst 1627 wird der katholische Gottesdienst wieder eingeführt. Fortan besteht über zwei Jahrhunderte ein gespanntes Verhältnis zwischen dem Kloster Tänikon als Gerichtsherrin und dem evangelischen Zürich, dem die Kirchenhoheit über beide Aadorfer Konfessionen bis 1843 zusteht. Die heutige katholische Kirche wird 1865 erbaut. Sie dient bis zum Bau der evangelischen Kirche 1959 beiden Konfessionen.

Ein verheerendes Brandunglück legt 1827 die Mühle und vierzehn weitere Häuser längs der Hauptstrasse in Asche. Seit 1905 versorgt das gemeindeeigene Elektrizitätswerk das Dorf mit Strom. Als wirtschaftlich schwerer Schlag für die Bürgergemeinde als Eigentümerin erweist sich 1910 der Konkurs der Spar- und Leihkasse Aadorf. Im Jahre 1915 wird die Raiffeisenbank gegründet, und 1927 eröffnet die Thurgauer Kantonalbank eine Niederlassung. In der Zeit von 1930 bis 1973 verfügen die Ortschaft und seine Umgebung mit der „Aadorfer Zeitung“ über eine eigenes Organ.

Aadorf profitiert mehrmals von seiner günstigen Verkehrslage. Es liegt an der historischen Überlandstrasse von Winterthur über den Tuttwilerberg nach Wil. Entscheidend zur baulichen Entwicklung trägt die 1855 eröffnete Eisenbahnlinie bei, und gut hundert Jahre später (1969) erhält Aadorf bei Wittenwil einen Autobahnanschluss der A1. Der Bau der Spinnerei 1827 setzt den Auftakt zur Ansiedlung von sehr zahlreichen Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungs-betrieben bis in die Gegenwart.

Ortswappen: In Blau ein weisser, schräger Wellenbalken.

Aadorf im Jahre 1952