Guntershausen-Maischhausen

Guntershausen-Maischhausen, Tänikon, Wittershausen

Guntershausen gehörte während Jahrhunderten wie Ettenhausen - die Katholiken beider Ortschaften bilden die Pfarrei Tänikon - dem Kloster Tänikon. Die Ortsgemeinde umfasste auch Maischhausen sowie die Weiler Tänikon und Wittershausen. Guntershausen verfügt über ein architektonisch bemerkenswertes Schulhaus, eine Bahnhaltestelle und eine Dorfbürgerkorporation. 

 

Guntershausen-Maischhausen

Das weitläufige Guntershausen war mit 522 Hektaren die grösste Ortsgemeinde in der Munizipale Aadorf. Neben Tänikon, das schon im Jahr 789 als Gerichtsstätte bezeichnet wird, sind Wittershausen (894 erwähnt) und Maischhausen (912) die ältesten zu Guntershausen gehörenden Siedlungen. „Gundoltshusen“ erscheint erst im Jahre 1282 in einer Urkunde. Das Kloster Tänikon erwirbt nach und nach Erblehenhöfe und Rechte, allerdings vereinigt Tänikon erst 1668 den gesamten Zehnten von Guntershausen und Maischhausen in seiner Hand. Guntershausen bildet seit 1509 zusammen mit Maischhausen, Ettenhausen und Iltishausen bis zur politischen Umwälzung 1798 den oberen Teil des Gerichtes Tänikon. Als der Kanton Thurgau 1848 das Kloster Tänikon aufhebt, befürchtet Guntershausen wie andere umliegende Gemeinden ein massives Ansteigen der Armenlasten.

Um 1900 spielt nebst der Landwirtschaft die Heimstickerei eine grosse Rolle. Mit deren Verschwinden und der Schliessung der Tonwarenfabrik Tänikon sind die Guntershauser gezwungen, ihren Erwerb in auswärtigen Industrie- und Gewerbebetrieben zu suchen, vor allem in Aadorf und Winterthur.

Guntershausen hat bis 1827 eine mit Ettenhausen gemeinsame Schule in Tänikon. 1908 erbaut die Schulgemeinde am damaligen Dorfrand gegen Tänikon ein neues stattliches Schulgebäude, das mehr als ein halbes Jahrhundert ohne wesentliche Um- und Anbauten auskommt.

Entscheidend zur Entwicklung tragen die 1862 angelegte Hauptstrasse Aadorf-Guntershausen- Maischhausen (anstelle der Strasse über den Tuttwilerberg) und die 1927 eröffnete Bahnhaltestelle bei. Seit den 1970er Jahren werden zwischen Guntershausen und Maischhausen nach und nach Gewerbe- und Wohnbauten erstellt, sodass die einst räumlich getrennten Ortschaften nunmehr ein durchgehendes Strassendorf bilden.

Eine Guntershauser Besonderheit waren die zwei Bürgergemeinden. Die Dorfbürgerkorporation ist auf die Ortschaft Guntershausen beschränkt und verfügt über das Dorfgemeindegut auf dem Schulberg im Umfang von etwa zehn Hektaren Land. Die Bürgergemeinde umfasste alle in der ehemaligen Ortsgemeinde Guntershausen wohnhaften Ortsbürgerinnen und Ortsbürger und hatte etwa doppelt so viele Stimmberechtigte wie die Dorfbürgerkorporation.

Ortswappen: In Rot eine weisse Lilie.

Tänikon

In Tänikon liegen die historischen Wurzeln der Gemeinde. Aadorf, Ettenhausen und Guntershausen hingen in vielerlei Hinsicht vom Frauenkloster ab. Nach der Klosteraufhebung 1848 dienten Gebäude und Areal als Tonwarenfabrik und Gutswirtschaft, seit 1969 als landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes. Nebst der Kirche aus dem 14. Jahrhundert blieben das Äbtissinnenhaus und weitere Gebäude aus der Klosterzeit erhalten. 

Mit dem Jahr 789 ist Tänikon („Tanninchova“) der am frühesten urkundlich erwähnte Ort in der Politischen Gemeinde Aadorf. Im Jahre 1249 wird das Frauenkloster gegründet. Vor der Reformation um 1525 muss es eine stattliche Anlage gewesen sein. Bauzeugen sind die Kirche, deren Dachstuhl bis 1362 zurückreicht und damit die Tänikoner Klosterkirche zu einem der ältesten noch erhaltenen Gebäude im Thurgau macht, und das Refental (1508). In den Wirren der Reformation (1525-1550) erlischt das klösterliche Leben. Das wiedererstandene Kloster erlebt im 17. Jahrhundert eine grosse Blüte, verbunden mit einer regen Bautätigkeit: Prälatenhaus 1616, Äbtissinnenhaus 1678 und Lilienthal 1640. Die prächtigen Glasscheiben im Kreuzgang geben Zeugnis vom Kunstsinn der Äbtissinnen. Bis zur politischen Umwälzung von 1798 üben die Klostervorsteherinnen in Aadorf, Ettenhausen und Guntershausen-Maischhausen die niedere Gerichtsbarkeit aus. Das Rechtsverhältnis zwischen diesen Gerichtsgemeinden und dem Kloster ist in Offnungen, das heisst Dorfrechten, niedergelegt.

Im frühen 19. Jahrhundert sind viele führende Thurgauer der Ansicht, die Klöster seien reich und „jedem gemeinnützigen Wirken fremd geblieben“. Im Jahre 1848 beschliesst der Thurgauer Grosse Rat unter anderem die Aufhebung des Zisterzienserinnenklosters Tänikon. Die ausgewiesenen Klosterfrauen vereinigen sich erst 1869 mit den ebenfalls heimatlos gewordenen Schwestern der Klöster Kalchrain und Feldbach zum heute noch bestehenden Nachfolgekloster Mariastern-Gwiggen in der Gemeinde Hohenweiler (Vorarlberg).

Nach der Klosteraufhebung gehen die Kirche mit Friedhof, das Pfarrhaus mit Umschwung und Fondsgelder an die Kirchgemeinde Tänikon über. 1850 kauft Nina von Planta von Samaden das Klostergut. Neben der Gutswirtschaft stellt von 1857 bis 1918 eine Tonwarenfabrik Ziegel und Drainageröhren her. Letzte Gutsbesitzerin von 1936 bis zum Verkauf an die Eidgenossenschaft 1968 ist Emma Zuber-Schmid. Die landwirtschaftliche Forschungsanstalt nimmt ein Jahr später ihre Tätigkeit auf.

Kirche: Das klassizistische Aussehen erhält sie beim grundlegenden Umbau 1829-1831. Kirchenpatron ist der heilige Bernhard von Clairvaux. Bemerkenswert sind die frühromantische Orgel (1835), die ausgezeichnete Akustik und der grosszügige lichte Raum. In den Jahren 2001-2003 führt die Kirchgemeinde unter erheblicher Beihilfe von Bund, Kanton, Katholischer Landeskirche und Politischer Gemeinde Aadorf eine umfassende Sanierung des Dachstuhls und eine Renovation des Kircheninnern, vor allem auch der Stuckdecke durch.

Klosterwappen: In Blau eine weisse Lilie

Wittershausen

Wittershausen, an der einstigen Überlandstrasse von Aadorf über den Tuttwilerberg gelegen, ist kirchlich, schulisch und wirtschaftlich während Jahrhunderten nach Aadorf ausgerichtet. Der 894 urkundlich belegte bäuerliche Weiler gehört zwar bis 1798 zum klösterlichen Gerichtsbezirk Tänikon, ist aber wie Iltishausen bis um 1812 keiner Gemeinde angeschlossen. Seit 1834 ist die Familie Schwager auf dem 1765 erbauten Wohnhaus des Tänikoner Lehenhofs sesshaft.  


Guntershausen-Maischhausen, 1944