Wittenwil Weiern

Die frühere Ortsgemeinde Wittenwil umfasste etliche Weiler und Einzelhöfe mit starkem Eigenleben, was vor allem auf Weiern und Heiterschen zutraf. Bei der Gemeindereorganisation 1996 entschieden sich Heiterschen und Jakobstal für den Anschluss an Wängi.

Wittenwil erscheint 1282 als „Witenwile“ (Weiler des Wito) in den Urkunden. Damit taucht nebst dem Dorfnamen jenes Geschlecht auf, das die Vogtei Wittenwil im Namen der Grafen von Toggenburg verwaltet und deren Ammänner sich Herren von Wittenwil nennen. Der berühmteste Vertreter dieses Geschlechtes ist Heinrich Wittenwiler in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Dieser geht mit dem derb-komischen Bauernepos „Der Ring“ über den Zerfall des Rittertums in die Literaturgeschichte ein. Spätere Nachfahren der Wittenwiler nennen sich nach dem Amt der Stammväter Ammann. Dieses Geschlecht ist noch jetzt im Dorf Wittenwil stark verbreitet. Im Jahre 1620 kommt Wittenwil an die Familie Harder. Diese baut das Schloss 1656 nach einem Brand neu auf und ergänzt es mit einer Kapelle. Die letzten Gerichtsherren im 18. Jahrhundert sind die Freiherren von Rüepplin aus Frauenfeld und nachher die Zürcher Familie Schulthess. Seit vielen Jahrzehnten enthält das Schloss zwei grosse Wohnungen; die Kapelle dient als Schmiede.

Wittenwil besteht seit altersher aus grösseren und kleineren Weilern mit rechtlichem Eigenleben. Erst 1812 verfügt der Grosse Rat den Anschluss von Weiern (912 erwähnt), Heiterschen (1263), Aeuli (Jakobstal), Alp, Hinterberg (Jakobsbad), Tausendlist (Schönengrund), Ackermannshaus (Schlipf), Neuhof und Rotscheuer an Wittenwil und damit die Bildung der Ortsgemeinde. Von diesen Weilern bewahrt vor allem Weiern gegenüber Wittenwil einige Selbständigkeit. So gehörte Weiern nicht zum Gericht Wittenwil, sondern untersteht der Hohen Gerichtsbarkeit des Landvogtes. Hauptgeschlecht in Weiern sind die Horber.

Eine Schule ist in Wittenwil seit 1772 bezeugt. Das jetztige alte Schulhaus mit dem Türmchen wird 1860 erbaut. Der geografischen Vielfalt entsprach die unterschiedliche schulische und kirchliche Gebietseinteilung. Bei der Bildung der Politischen Gemeinde Aadorf 1996 werden Heiterschen und Jakobstal der Gemeinde Wängi angegliedert. 2002 wurden die Wittenwiler Katholiken und Evangelischen, die bislang zu den Wängemer Kirchgemeinden gehörten, den jeweiligen Kirchgemeinden Aadorf zugeteilt. 

Wappen: In Gelb ein schwarzer Steinbock mit roter Zunge. 


Wittenwil um 1960, im Hintergrund Weiern